Indien auf dem Weg zur Supermacht? – Info Abend über das indische Atomprogramm

Mit einer Abendveranstaltung stellte das Bündnis „Don´t nuke the climate“ die Vorreiterposition Indiens heraus, wenn es um den Ausbau der Atomenergie weltweit geht. Unser dynamischer indischer Freund, Kumar Sundaram, hielt einen fesselnden Vortrag über Indiens Bestrebungen zu einer der größten Atomnationen der Welt zu werden.

Beginnend mit der Historie der Atomkraft in Indien, der gegenwärtigen Situation bis hin zu den Plänen in der Zukunft, in Indien scheint im Bereich Atom alles möglich. Der Menschenverstand verzweifelt an der Unverantwortbarkeit der Vorhaben in Bereich Ökonomie, Ökologie und Menschenrechte. Am Beispiel eines Kraftwerkprojekts in Mittelindien ließ Kumar den Anwesenden das Blut in den Adern gefrieren.

In Mittelindien soll ein riesiges Kraftwerk entstehen in einer Region, die aufgrund von Klimaveränderungen mittlerweile von Dürre betroffen ist. Anhand eines dort errichteten Staudammprojektes mussten schon bei der Entstehung die EinwohnerInnen aus dem Gebiet umgesiedelt werden. Mit den bekannten Versprechen der einhergehenden Arbeitsplätze und des allgemeinen Wohlstands wurden viele Dörfer dem Staudammprojekt geopfert. Der Wohlstand und die Arbeitsplätze kamen nie, stattdessen kam die Dürre und der Staudamm verliert seit Jahren mehr Wasser, als zufließt. Nun sollen selbige umgesiedelte EinwohnerInnen wieder einem Atomkraftwerkprojekt weichen, natürlich mit denselben Versprechungen. Für dieses Projekt soll Kühlwasser aus einem Bewässerungssystem entnommen werden, dass den Menschen vor Ort gerade das Überleben durch Landwirtschaft sichert. Ein Drittel des Wasservorrats aus dem Kanal soll dem Kühlen des Kraftwerks dienen. Wohlwissend, dass in den Sommermonaten das Wasser kaum für die Landwirtschaft reicht und die Menschen in ihrer Not anfangen das Kanalsystem zu ihren Gunsten zu sabotieren.

Eine Sabotageaktion einer sich im Streit liegenden Partei könnte also dazu führen, dass die Kühlwasserversorgung nicht gewährleistet wäre. Nach Aussagen der PlanerInnen gäbe es einen See, der für eine Woche eine Notversorgung sicherstellen könnte. Woher das Wasser für diesen Notspeicher kommen soll, der fortwährend den Pegel halten muss in einer Dürreregion, bleibt offen.

Am Ende der Diskussion, die im Anschluss an den Vortrag erfolgte, wurde schnell klar, dass das Atomprogramm von Indien vorrangig einer Prämisse folgt: Indien soll Supermacht werden!

Das Bestreben der Politik lässt keinen anderen Rückschluss zu und auch die gesellschaftliche Situation orientiert sich an diesen Vorgaben. So wurde Kumar Sundaram auch nicht müde die nationalistische Ausrichtung des Programms zu betonen, die sich nicht der Ökonomie, Ökologie und den EinwohnerInnen unterwerfe.

Pünktlich zum Vortrag erschien eine fünfzigseitige Broschüre, die Kumar innerhalb weniger Wochen basierend auf seiner langjährigen Erfahrung und Beobachtung des indischen Atomprogramms, niederschrieb.

Die Broschüre liest sich wie eine Science-Fiction Geschichte, die umso mehr fesselt, da sie der Realität zugrunde liegt.

Text: Torben Klages, BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg

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An analysis of nuclear greenhouse gas emissions by Jan Willem Storm van Leeuwen, MSc / commissioned by the World Information Service on Energy (WISE)

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